Wieso ich nicht möchte, dass jemand Angst vor meinem Hund haben muss

Angst vor Hunden
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Von Mareike Meyer

Jeder Hundehalter kennt diese Situationen: man spaziert gerade gemütlich mit seinem Hund an der Leine durch den Ort, als einem eine Frau mit einem kleinen Kind entgegenkommt. Beim Anblick der Hundes bleibt das Kind wie angewurzelt stehen und starrt den Vierbeiner mit großen Augen an, ehe es zu weinen oder ängstlich zu zetern beginnt. Oder da ist der Teenager, der die Straßenseite wechselt, wenn man ihm mit Hund entgegenkommt oder der Bekannte, der einen das erste Mal besucht und starr auf dem Sofa sitzt, während der Hund ihm in freudiger Erwartung jedes Spielzeug bringt, das er finden kann. Auf Nachfrage erklärt der Besucher, dass er ein bisschen Angst vor Hunden hat. Und dann sind da noch die etwas “heftigeren” Begegnungen, wenn man zum Beispiel in der Stadt aufgefordert wird, mit dem Hund auf der Straße und nicht auf dem Fußweg zu laufen. Schließlich sei der Fußweg für Menschen und man habe Angst vor Hunden. Ja, auch das ist mir schon passiert und ich ärgere mich bis heute, dass ich mit Loki tatsächlich ein Stück weit auf der Autospur lief, um der Dame auszuweichen.
 

Toleranz auf beiden Seiten

Wieso mich diese Situation so ärgert, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht weil ich mich selbst generell für eine sehr rücksichtsvolle Hundehalterin halte. Ich achte immer auf meine Umwelt wenn ich mit Loki unterwegs bin. Ich nehme ihn auf die andere Seite, damit er nicht zwischen fremden Menschen und mir laufen muss. Auf diese Weise erhoffe ich mir, dass die Leute sich weniger “bedroht” fühlen. In der Stadt läuft er immer Fuß. Ich steige nicht zu fremden Personen in den Fahrstuhl mit ihm, damit sich niemand belästigt fühlt oder Angst hat auf so engem Raum mit einem Hund zusammengepfercht zu sein. Also wieso ist es ein Problem für mich, dass ich auf der Straße laufen musste mit meinem Hund? Weil ich auch in dieser Situation Loki im Fuß an meiner Seite hatte und zwischen ihm und der ängstlichen Frau ging. Der Bürgersteig war sehr breit und hatte sogar einen Radweg, den wir hätten nehmen können. Dennoch bestand die Dame laut zeternd darauf, dass wir auf der Straße gehen sollten. Ich kam mir mit meinem recht gut erzogenen Hund vor wie eine Schwerverbrecherin.
 

Meine eigenen Ängste

Wieso ich es dennoch tat, anstatt ihr die Meinung zu sagen? Weil ich selber nur zu gut weiß, wie es ist, Angst vor Hunden zu haben. Als ich klein war, hatten wir einen Familienhund. Er war nicht besonders gut erzogen. Eigentlich lief er einfach so nebenher und war mehr ein Wachhund als ein Familienmitglied. Er war schwierig im Umgang. Er mochte keine anderen Hund, schnappte nach einem wenn man ihn bürsten oder baden wollte und knurrte, wenn ihm etwas nicht passte. Ich hatte gelernt, vorsichtig zu sein. Ich erinnere mich noch an eine Situation, in der unser Hund auf der Treppe lag und ich vom ersten Stockwerk ins Erdgeschoss gehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt war er schon sehr alt und krank und hatte wohl auch Schmerzen. Jedenfalls wollte er nicht aufstehen und mich so vorbei lassen. Er knurrte mich an und ich war praktisch im Obergeschoss gefangen. Ich rief nach meinen Eltern, damit sie den Hund von der Treppe holten. 
 

Begegnungen in der Kindheit

Der zweite Hund meiner Kindheit, der mir sehr in Erinnerung geblieben ist, war ein Riesenschnauzer. Er war einfach unglaublich groß und hatte wild wucherndes zerzaustes Fell. Er lebte als Wachhund auf einem Firmengelände. Die Firmeninhaber wohnten direkt über der Produktion ebenfalls auf dem Gelände und waren sehr gute Freunde meiner Eltern. Meine Mutter arbeitete in der Firma. So ergab es sich, dass ich fast jeden Tag nach der Grundschule dort zu Mittag aß. Allein das Gelände zu betreten war für mich ein absoluter Horror. Es war voller Sträucher und Büsche und manchmal, wenn der Hund nicht angeleint war, kam er aus einer der finsteren Ecken geschossen. Dabei hat er mich nie gebissen und mittlerweile bin ich sicher, dass er keine schlechten Absichten hatte. Er war einfach sehr jung und stürmisch und hatte eine Heidenfreude, wenn ich in Panik vor ihm davon lief. Für den Hund war das ein Spiel. Für mich eine prägende Zeit im Bezug auf meine Angst vor Hunden. Noch schlimmer war es, wenn der Hund angeleint war, denn seine Leine war an der Treppe, die in die Wohnung führte, befestigt. Es gab keine Möglichkeit für mich, an dem Hund vorbei zu kommen, der die Größe eines kleinen Ponys hatte und jeden ansprang, der sich ihm näherte. Jedes Mal rief ich nach der Familie, damit jemand den Hund festhielt, während ich die Treppe hinauf rannte. Manchmal stand ich sehr lange in der Tür und wartete, dass jemand kam und mir half. 
 

Eine tiefsitzende Angst

Diese Erlebnisse meiner Kindheit haben mich geprägt. Noch mit Anfang 20 hatte ich große Angst vor Hunden. Die kleinen gingen, solange sie nicht plötzlich anfingen zu bellen. Alle großen Hunde, jagten mir eine Heidenangst ein. Ich war einer dieser Menschen, die die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein Hund entgegenkommt. Ich zuckte zusammen, wenn in meiner Nähe ein Hund bellte und ich mochte nicht zu Hundehaltern zu Besuch gehen. Das ist auch der Grund, weshalb ich Loki beigebracht habe, in seine Box zu gehen, wenn es an der Tür klingelt. Ich möchte nicht, dass mein Besuch als erstes von einem nicht gerade kleinen schwarzen Hund bedrängt wird. Ich begrüße zuerst meinen Besuch und wenn er seine Jacke abgelegt und Platz genommen hat, frage ich ob es in Ordnung ist, wenn Loki sich frei bewegt. Erst dann erlaube ich Loki, seine Box zu verlassen.
 

Briefträger mit Angst

Als wir in unser Haus zogen, erzählte mir unser neuer Briefträger, dass er Angst vor Hunden habe. Noch am gleichen Abend habe ich einen zweiten Briefkasten und eine Türklingel mit zwei Sendern bestellt. So konnte ich eine Klingel und den neuen Briefkasten ans Gartentor hängen, damit der Mann nicht mehr auf das Gelände musste, um seiner Arbeit nachzugehen. Ich bin wirklich sehr darauf fokussiert, dass niemand Angst vor meinem Hund haben braucht, denn ich weis selbst, wie schlimm das ist. Auch das Gefühl, dass man selbst ein Angsthase ist und sonst niemand Angst vor dem süßen kleinen Hund hat, kenne ich. Deshalb möchte ich den Menschen mit meinem Handeln vermitteln, dass ich ihre Angst verstehen kann und sie ernst nehme, anstatt sie nur zu belächeln und mit einem “Der tut doch nix” abzutun. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich in der anfangs beschriebenen Situation auf die Straße ausgewichen bin. 
 

Stelle dich deinen Ängsten

Eventuell fragt ihr euch jetzt, wie aus einem Mädchen mit einer wirklich großen Angst vor Hunden eine Hundebloggerin werden konnte. Ich habe mich selbst therapiert. Als ich Anfang 20 war, begann ich auf Mittelaltermärkten mein Lager aufzuschlagen und dort gibt es
Angst vor Hunden
Vor einigen Jahren wollte ich unbedingt einen Irish Wolfhound streicheln. Die sanften Riesen halfen mir dabei, meine Angst vor Hunden zu überwinden. ©LokisLife
wirklich viele Hunde. Unter anderem die für mich wahnsinnig faszinierenden Irish Wolfhounds. Diese sanften Riesen sind einfach wundervoll. Ich beschloss, dass es so nicht weiter gehen konnte und nahm mir vor, wenigstens einmal in meinem Leben einen solchen Hund zu streicheln. Es kostete mich einiges an Überwindung und fast ein Jahr Zeit, bis ich mich schließlich traute. Ich glaube, ich hatte Glück, dass ich mich ausgerechnet auf diese Rasse eingeschossen habe. Sie sind riesig und sanft wie Lämmer. Ich meine: Wenn ich so einen großen Hund streicheln konnte, wieso sollte ich mich vor kleineren fürchten? So oder so ähnlich war mein Gedankengang und ich traute mich immer häufiger, in die Nähe von Hunden. Ein wahres Goldstück war auch eine Border Collie Hündin auf dem Reiterhof meiner kleinen Schwester. Sie war so unsagbar freundlich und freute sich über jede kleine Streicheleinheit. Und so verlor ich nach und nach meine Angst und begann, mich mit Hunden und ihrem Verhalten auseinanderzusetzen. Ich guckte viele Hundesendungen im Fernsehen und lernte langsam, ihre Körpersprache zu lesen. Das gibt mir bis heute viel Sicherheit. 
 

Hündisch verstehen

Bevor ein Hund knurrt oder sogar schnappt, gibt es eine Reihe anderer Signale und Warnungen von ihm. Ich habe mich viel mit Körpersprache und Kommunikation beschäftigt und versuche jeden Hund so gut es geht zu lesen. Das gibt mir Sicherheit. Es gibt allerdings Rassen, bei denen ich Schwierigkeiten habe, die Hunde einzuschätzen. Das sind hauptsächlich solche mit wenig Mimik und kupierten Ohren oder Ruten.
Aber trotz all dem war es für mich ein Schock, als Loki mich das erste (und bislang einzige) Mal angeknurrt hat. Er hatte ein Rinderohr von mir bekommen und knabberte glücklich auf dem Wohnzimmerteppich daran herum. Ich wollte lediglich an ihm vorbei gehen, als er beschloss, seinen “Schatz” zu verteidigen. Mein eigener Hund fletschte die Zähne und knurrte mich mit einem tiefen Grollen an. Eine sehr deutliche Warnung. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte ich die alte Angst in mir und das verunsicherte mich zutiefst, sodass ich mich der Situation erst einmal entzog. Im Nachhinein betrachtet bin ich mir nicht sicher, ob das die richtige Entscheidung war, aber ich verlasse mich im Umgang mit Loki gerne auf mein Bauchgefühl und das sagte mir in diesem Moment, dass meine Angst zu heftig war. Natürlich könnte ich versuchen, Loki seinen “Schatz” streitig zu machen und ihm zeigen, wer der Boss ist, aber wem wollte ich damit etwas vormachen? Sowohl Loki als auch ich selbst würden diese Lüge sofort durchschauen. Ich war in dem Moment nicht Herr der Lage und ja, ich hatte Angst. 
 

Es ist keine Schande, sich Hilfe zu suchen

Ich war todunglücklich und hatte ein bisschen Vertrauen in meinen Hund verloren nach diesem Erlebnis. Ich wollte nicht zulassen, dass mein eigener Hund mir Angst machte und deshalb suchte ich mir am darauf folgenden Tag einen Trainer und buchte eine Einzelstunde. Eine der besten Entscheidungen, die ich in diesem Moment treffen konnte. Es brauchte genau eine Einzelstunde samt vorheriger Anamnese und Loki hat nie wieder etwas vor mir (oder meinem Mann) verteidigt. 
Dieser Vorfall hat mir gezeigt, dass ich diese Angst vor Hunden vielleicht niemals komplett loswerde. Vor allem fremden Hunden gegenüber bin ich vorsichtig (nicht ängstlich) und versuche sie zuerst einzuschätzen. Wenn mir zuchtbedingt dazu die Möglichkeiten fehlen, verunsichert mich das. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich mich so sehr für nonverbale Kommunikation mit Hunden interessiere.
Und weil ich selber weiß, wie belastend und nahezu übermächtig die Angst vor Hunden sein kann, möchte ich auf keinen Fall, dass jemand Angst vor meinem Hund haben braucht.
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1 comment

  1. Ich kann gut verstehen, dass Du nicht möchtest, dass andere Menschen Angst vor Deinem Hund haben – und ich finde es klasse, dass Du Diene angst so gut im Griff hast. Bei uns ist es meine Mutter die Angst vor Hunden hat – auch wenn wir jetzt schon so lange mit Hunden leben und sie jeden unserer Hunde irgendwann natürlich gut kannte … ihre Angst ist trotzdem noch vorhanden.
    Ich muss aber zugeben, dass ich auch versuche meine Hunde sehr umsichtig zu führen und viel Rücksicht auf die (zum Glück wenigen) Menschen zu nehmen, die wir treffen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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