Wie wir zueinander fanden

Wie ich einen Hund aus dem Ausland adoptierte
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Von Mareike Meyer

Lokis Start ins Leben war alles andere als perfekt: Er wurde am 09.03.2016 in Griechenland geboren und kam im Alter von sechs Monaten per Flugzeug nach Deutschland. Laut Impfpass ist er ein Belgischer Schäferhund-Mix. Der Tierschutzverein, der ihn vermittelte klassierte ihn mit gegenüber als Labrador-Mix. Ich persönlich sehe mal einen Border Collie, mal einen Schäferhund und mal einen altdeutschen Hütehund. Generell ist das natürlich nicht wichtig für mich, aber es kann im Training durchaus hilfreich sein, die rassetypischen Charaktermerkmale eines Hundes zu kennen.
 

Bunt gemixt ist halb gewonnen

Das erst Mal sah ich Loki auf einem Foto auf Facebook. Ich hatte drei Jahre gebraucht, um meinen Mann davon zu überzeugen, dass wir einen Hund adoptieren sollten. Wir waren bereits mehrmals im hiesigen Tierheim gewesen, allerdings fanden wir dort nur Hunde, die entweder auf der Rasseliste in Bremen standen oder schon ziemlich alt waren. Damit will ich nicht sagen, dass alte Hunde es nicht verdient haben, in einer Familie zu leben. Aber als Ersthundehalterin hielt ich es für keine gute Idee, einen Hund aufzunehmen, der vielleicht schon schlimme Erfahrungen gemacht hat und einen emotionalen Rucksack mitbringt, den ich nicht einschätzen konnte. Eigentlich wollte ich keinen Hund aus dem Auslandstierschutz. Immerhin gab es auch in Deutschen Tierheimen genug Hunde, die auf eine Familie warteten. Aus demselben Grund wollte ich auch keinen Hund vom Züchter. Ich dachte damals, dass es nicht richtig wäre, einen Hund „produzieren zu lassen“, wenn es doch schon genug Streuner etc. gab. Mittlerweile sehe ich das alles ein bisschen anders, aber was soll ich sagen: Ich hatte gute Absichten und stolperte leider etwas blauäugig in das Abenteuer Hund.
 

„Was für ein hässlicher Hund“

Auf der Seite der Organisation gab es viele Hunde, die zur Vermittlung ausgeschrieben waren. Die meisten klein, mit großen Augen und einem Blick, der herzerweichend war. Und dann war da noch Loki. Er war schmutzig, saß mit abgekippter Hüfte auf einem Betonboden und wirkte von dem Fotoshooting nicht besonders begeistert. 

Ich kann nicht erklären, was mich dazu bewogen hat, genau diesen Hund zu wollen, aber es war so. Ich war verliebt. Auch die Beschreibung seines Charakters passte und so schrieb ich mit zittrigen Fingern an die Organisation, dass ich mich für diesen Hund interessiere.
Ich weiß noch, dass Lokis Bilder bei weitem nicht so viele Likes und vor Herzchen sprühende Kommentar erhielten, wie die der meisten anderen Hunde auf der Seite. Das verhinderte aber nicht, dass ich minütlich nachsah, ob der Tierschutzverein schon geantwortet hatte und nachts nicht schlafen konnte vor Sorge, dass jemand anders ihn zu sich nehmen dürfe.

Endlich kam der ersehnte Anruf: Wenn mein Mann, unsere Wohnung und ich die Vorkontrolle bestehen würden, könnten wir Loki zu uns nehmen. Kurz darauf kam eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Organisation zu 

Wie wir zueinander fanden
Dies war eines der ersten Bilder, die ich von Loki sah. Damals trug er noch einen anderen Namen.

uns nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein kleines Hundebett und ein bisschen Spielzeug sowie Leine und Halsband besorgt. Zwei Tage hatte ich unsere Dreizimmerwohnung auf Vordermann gebracht  (nicht, dass es sonst dreckig gewesen wäre, aber ich wollte, dass alles perfekt ist) und mich auf das Gespräch vorbereitet indem ich so viel wie möglich über Hunde und Hundeerziehung gelesen habe. Am Ende dann ging alles ganz schnell. Die Vorkontrolle war in Ordnung und ich konnte Loki zu mir nehmen. Vorerst auf Probe für eine Woche, denn mein Mann hat eine Hausstaubmilben-Allergie und reagiert auch auf ein paar Hunde relativ heftig. Wir wollten erst ausprobieren, wie es sich mit seiner Allergie verhielt. Damit war der Tierschutzverein einverstanden.  

Wie wir zueinander fanden
Dieses Foto stammt noch aus der Zeit in Griechenland.
Schon eine Woche später nahm ich Loki am Flughafen in Hannover in Empfang. Er wurde von Flugpaten begleitet, die mir seinen Pass und die Transportbox übergaben. Meine Mutter und meine Freundin Kathy, die schon einen Hund aus dem internationalen Tierschutz hatte, begleiteten mich nach Hannover.
Der erste Blick in die Box offenbarte nicht viel. Es war dunkel darin und Loki ist schwarz, also sah man nur ein zusammengekauertes Etwas in der hintersten Ecke der Box. Was allerdings sehr deutlich wahrzunehmen war, war ein sehr penetranter Geruch. Loki stank zum Himmel und auf der zweistündige Rückfahrt nach Bremen hatten wir auch auf der Autobahn die Autofenster geöffnet. Anders war das nicht zu ertragen. Mittlerweile 
weis ich, dass meine Mutter damals erschrocken war, was ich mir da angelacht hatte. Ihr erster Gedanke war: “Was für ein hässlicher Hund!”, aber das sprach sie zum Glück nicht laut aus an diesem Tag. 
Zuhause angekommen, öffnete ich zum ersten Mal die Box. Ich hatte zuvor viele Horrorgeschichten von Tierschutzhunden gehört, die sofort überfahren wurden oder weg liefen, weil ihre neuen Besitzer nicht mit dem Öffnen der Box warten konnten, bis sie in einer wirklich abgesicherten Umgebung waren.
Diesen Fehler wollte ich auf keinen Fall wiederholen. Deshalb musste Loki in seiner Box bleiben, bis wir unsere Wohnung im ersten Obergeschoss erreicht hatten. Ich glaube das war auch nicht wirklich unangenehm für ihn. Bis heute liebt er Boxen und Höhlen und betrachtet sie als Rückzugsorte an denen er seine Ruhe hat. Ich lege auch großen Wert darauf, dass Loki in seiner Box, die bei uns im Wohnzimmer steht, nicht gestört wird. Die Tür steht fast immer offen (es sei denn, der Pizzalieferant klingelt, den mag er nicht) und er kann frei entscheiden, wann und ob er darin liegen möchte oder nicht. Es war also wenig verwunderlich, dass er sich erst einmal nicht aus der Box herausgetraut hat. Aber mit viel Geduld und leckerer Geflügelwurst konnten wir den kleinen Schmutzfink schließlich hervorlocken. 
 

Das erste Bad

Ich hatte mir natürlich einen Plan zurechtgelegt, wie ich Loki möglichst schonend und sanft an sein neues Zuhause gewöhnen wollte: Er sollte alles erst einmal in Ruhe erkunden, überall schnüffeln und ich würde geduldig warten, bis er meine Nähe suchen würde. Vorher wollte ich ihn nicht bedrängen oder verschrecken. Aber wie das mit Plänen so ist: Es kommt meistens alles anders. Er roch einfach so erbärmlich nach Urin, Kot und was weis ich was noch, dass ich ihn nach einem kurzen Augenblick außerhalb der Box direkt in die Badewanne hob. Im Nachhinein betrachtet bin ich überrascht, wie regungslos er das über sich ergehen ließ. Er kannte mich nicht, er hatte wahrscheinlich bisher auch nicht allzu viele gute Erfahrungen mit Menschen gemacht und er hasst es, zu Baden – es wäre eigentlich fast logisch gewesen, dass er versucht nach mir zu schnappen oder sich aktiv zur Wehr setzt, aber er tat es nicht. Er stand einfach da, ganz steif und harrte der Dinge, die dort kommen mögen. Während ich also damit beschäftigt war, den Hund zu shampoonieren und ihm ein Wurststückchen nach dem anderen reinzustopfen, redete ich in meiner schönsten Baby-Sprech-Säusel-Sprache auf ihn ein. Es muss für Loki ein echter Schock gewesen sein. 
Er war zu diesem Zeitpunkt erst sechs Monate alt und ich weis nicht, ob er überhaupt jemals gebadet wurde. Ich weis generell nicht viel aus seiner Vergangenheit und kann nur Vermutungen anstellen aufgrund seines Verhaltens. Er mag zum Beispiel keine Räume ohne Fenster wie beispielsweise Kellerräume oder innen liegende Badezimmer. Und auch Wasser ist nicht wirklich sein Element. Nachdem die Tierschutzorganisation mir einen Labrador angekündigt hatte, hatte ich mich aufgemacht und jede Menge Wasserspielzeuge gekauft. Einige davon sind bis heute ungeöffnet. 
Nach dem Bad verkrümelte Loki sich in sein Bettchen und brauchte offenbar erst einmal eine Pause. Diesen Platz verließ er erst wieder, als mein Mann am Abend heimkam. Beide “beschnüffelten” sich vorsichtig und ihr könnt euch meine Erleichterung vorstellen, als mein Mann nicht sofort anfing zu niesen. 
Einige Tage später beschlossen wir, dass wir Loki behalten würden. Mein Mann reagierte nicht allergisch auf ihn. Um genau zu sein, waren er und Loki schon nach kurzer Zeit ein Herz und eine Seele. Und so warf mein Mann auch recht schnell seine eigene “Der Hund darf nicht aufs Sofa”-Regel über den Haufen.
Wie wir zueinander fanden
Das ist das erste gemeinsame Foto von meinem Mann und Loki. Es entstand kurz nach Lokis Ankunft bei uns.
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2 comments

  1. Soo schön. ❤ Und Loki hat sich wirklich gemacht! Das letzte Bild hat mir sogar eine kleine Gänsehaut beschert. Wenn man sich mal so überlegt, wie sein Leben wohl vorher war und da liegt er dann in seinem sicheren, gemütlichen Zuhause. Einfach schön.

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